Wirteproteste in Kehl, Breisach und Konstanz



Die EU Finanzminister haben im März 2009 den Weg für niedrigere Steuersätze in der Gastronomie frei gemacht. Doch die Bundesregierung hat die Mehrwertsteuer bislang nicht gesenkt. Vor allem in den Grenzregionen sorgt dies für eine Wettbewerbsverzerrung. In der Schweiz liegt der Steuersatz bei 3,6% im Hotel und 7,6% im Restaurant, in Frankreich im Hotel bei 5,5 und künftig ab Juli 2009 auch in der Gastronomie bei 5,5%.

Über 500 Gastronomen und Mitarbeiter machten bei der Protestaktion in Konstanz mit.
Unter dem Motto „Das Hotel- und Gaststättengewerbe geht mit 19% baden!“, forderten sie die Senkung der Mehrwertsteuer auf 7%. Rund 80 Kolleginnen und Kollegen stiegen ins rund 10 Grad kalte Bodenseewasser um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen.

In Breisach protestierten über 400 Gastronomen auf zwei Rheinschiffen für die Reduktion der Mehrwertsteuer in Deutschland. Mit roten T-Shirt`s und Kochmützen, auf denen „Pro 7%“ stand, zeigten die anwesenden Gastronomen Flagge. Um das Gefühl eines geringeren Steuersatzes zu erahnen, fuhr man noch schnell auf die andere – französische – Rheinseite.

In Kehl demonstrierten über 300 Gastronomen gegen die zu hohe Mehrwertsteuer in Deutschland. Ebenfalls mit Ballons und T-Shirt´s ausgestattet, demonstrierten sie gegen die unfairen Wettbewerbsbedingungen gegenüber ihren französischen Kolleginnen und Kollegen. Unterstützt wurden sie von der FDP-Europaabgeordneten Dr. Silvana Koch-Mehrin, die sich vorbehaltlos der Forderung anschloss

Dieter Wäschle, Präsident des DEHOGA Schwarzwald-Bodensee erklärte in Kostanz: „Wir wollen keine milliardenschweren Subventionen und wir wollen keine Abwrackprämie, sondern nur faire Wettbewerbsbedingungen. Schließlich sei die Branche mit rund 5% Anteil am Bruttosozialprodukt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. In Baden-Württemberg habe sie 8mal so viele Beschäftigte wie Opel in ganz Deutschland“. 7% seien das beste Konjunkturpaket, sagte Wäschle und sprang danach mit einem Köpfer in die Fluten des Bodensees. Landeswirtschaftsminister Ernst Pfister unterstützte die Wirte bei ihrer Aktion und erklärte, dass er bei der Bundesratabstimmung mit einer Mehrheit rechne. Auch Baden-Württemberg würde die Absenkung der Steuer befürworten.

Der Vize-Präsident des DEHOGA Schwarzwald-Bodensee, Hansjörg Dattler, erklärte in Breisach, dass die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze in der Grenzregion innerhalb Europas nicht akzeptabel seien. Im Hinblick auf die 3%ige Mehrwertsteuer in Luxemburg sagte Dattler: „Bei einer Woche Urlaub in Luxemburg bedeute dies, dass der Gast ohne Zusatzkosten einen Tag länger Urlaub machen kann als in Deutschland“. Wenn der Finanzminister Peer Steinbrück solche Länder als „Steueroase“ bezeichnet, so könne man Deutschland nur als „Steuerwüste“ bezeichnen. Vorstandsmitglied Peter Ehrhardt aus Breisach erklärte: „Entlang der Grenze haben wir 450 Kilometer Ungleichbehandlung. Und auch innerhalb Deutschlands kann niemand verstehen, warum in Fast-Food-Betrieben der Gast nur 7% für seinen Hamburger bezahlen muss, wenn er diesen auf der Straße isst und dann noch die Einwegverpackung von der öffentlichen Müllabfuhr entsorgen lässt“.

Der Vorsitzende der Fachgruppe Gaststätten im DEHOGA Baden-Württemberg, Waldemar Fretz, erklärte in Kehl: „Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung den Banken und der Autoindustrie mit Milliardenbeträgen hilft und wir – eine mittelständische Branche mit über 1 Million Beschäftigten in Deutschland – praktisch ohne Unterstützung in die Krise schlittern. Dabei wollen wir gar keine Subventionen und auch keinen milliardenschweren Rettungsschirm wie die großen Abzocker und Geldverbrenner aus der Finanzbranche. Das Einzige was wir fordern, sind faire Wettbewerbsbedingungen“.


Bericht HOGA-Kurier 5/2009

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